Ôzu

Vielerorts in Japan trifft man auf Städtchen, welche den Beinamen das kleine Kyôto von (Name der jeweiligen Region) tragen. Ôzu gehört mit Recht zu diesem Kreis. Wir haben Ôzu lediglich im Rahmen eines Tagesausflugs besucht und mussten somit Prioritäten setzen:

Ôzu-jô

Diese kleine örtliche Burg ist ziemlich fotogen. Hier trafen wir im November auch auf den Morgennebel, den wir in Ôno gebraucht hätten. Wer über das nötige „Kleingeld“ verfügt, kann hier sogar übernachten. Ôzu-jô dürfte die einzige japanische Burg sein, wo dies möglich ist. Für die 7000+ Euro, die uns z. B. diese Übernachtung dann gekostet hätte, erfährt man aber auch die vollständige Behandlung eines Daimyô, was das entsprechende Cosplay mit jeder Menge Samurai-Gefolgsleuten im vollen Ornat und den dazugehörigen Requisiten für alle Beteiligten einhaltet. Selbstverständlich ist man dann auch der einzige Gast an diesem Tag. Das relativiert den hohen Preis dann auch wieder etwas, insbesondere wenn man bedenkt, dass die besten Zimmer in Tôkyôs exklusivsten Luxushotels annähernd doppelt so teuer sind. 





Die reguläre Eintrittskarte in die Burg kostet dagegen nur etwa 3 Euro und man kann hier sehen, wo dann der Futon im Schatten der Rüstungen ausgerollt wird, wenn man die Übernachtung buchen würde.



Garyû Sansô

Diese 1907 erbaute Villa ist ein kleines Juwel mit einer Vielzahl von liebevollen Details, die wir eigenständig gar nicht entdeckt haben. So finden wir Garyû Sansô einfach pittoresk bis atmosphärisch, während Personen, welche sich mit den zugrundeliegenden Techniken der 9000! am Bau beteiligten Architekten, Handwerker und Künstler auskennen, schier vor Euphorie überschlagen. So ist hier praktisch jeder Bereich offiziell und separat als kulturelles Erbe von nationaler Bedeutung eingestuft. Da die Gebäude sich in den Garten und der Garten wiederum in die Landschaft einfügt, ist es leicht zu vermuten, wie sehr sich die Optik über die Jahreszeiten verändert. Aber bereits die Tageszeit ist hier Teil der Dekoration. Zur Verdeutlichung der zugrundeliegenden Raffinesse nur ein Beispiel. Es existiert eine gebogene Decke, deren Krümmung dazu dient, das Licht des Mondes zu spiegeln. Aber nicht direkt, sondern das Mondlicht fällt auf den, neben dem Gebäude verlaufenden Fluss und spielt sich dann in der Decke. Kein Wunder also, dass Enthusiasten die Villa immer wieder besuchen. Sonntags wird hier auch Tee serviert, zu unserem Leidwesen aber nur von April bis Oktober.







Pokepen Yokocho

Wir mögen Filme von Ozu Yasujirô (nein, kein Bezug zu der Stadt Ôzu), die in der Shôwa-Zeit spielen. Wer in Ôzu noch eine halbe Stunde Zeit übrig hat, kann z.B. Pokepen Yokocho besuchen. Sonntags ein Retromarkt und stets ein Shôwa-Museum, indem man u.a. auf genau die Requisiten trifft, die man aus diesen Filmen kennt.